Reflexe

angeborene Verhaltensweisen
erworbene Verhaltensweisen
Regeln für die Bildung bedingter Reflexe
bedingte Reflexe

angeborenangeborene Verhaltensweisen
Werden Sinnesorgane durch Reize erregt, beginnen sie selbständig darauf zu antworten. Dieses Reagieren auf Reize wird als Reflex bezeichnet und folgt einem gesetzmäßigem Ablauf. Nach Pawlow versteht man unter einem Reflex die gesetzmäßige, auf dem Wege über das Zentralnervensystem erfolgende Antwort des Organismus auf eine Reizung seiner Rezeptoren.

Unbedingte Reflexe sind angeboren und erblich, sie sind grundlegende Lebensfunktionen. Sie sichern die lebensnotwendigen Verhaltensweisen eines Organismus um dessen Existenz zu sichern. Bereits ein Welpe kommt mit einer Vielzahl unbedingter Reflexe zur Welt, u.a. denen der Nahrungsaufnahme und des Atmens ebenso wie das hinsetzen oder niederlegen.

Diese unbedingten Verhaltensweisen müssen dem Hund nicht durch den Züchter oder HF beigebracht werden, wohl aber macht sich der Mensch diese nutzbar. Dies soll an Hand eines Beispiels verdeutlicht werden:

Soll sich ein Hund setzen, so drückt der HF auf die Kruppe des Hundes, wobei er die zuständigen Rezeptoren des Gefühlssinns reizt. Der Organismus wird veranlasst, diesem Druck auszuweichen, es kommt zum Setzen des Tieres.

Der unbedingte Reflex (Druck ausweichen) wurde durch den bezeichneten unbedingten Reizerreger (Druck) ausgelöst, dies ist die unbedingte Verhaltensweise, die der Mensch ausnutzt. Auch diese Methode allein, kann keine erfolgreiche Abrichtung ermöglichen, denn der unbedingte Reizerreger vom HF ausgehend muss allgegenwärtig sein und sich physisch in die Arbeit einbinden. Die Durchsetzung von Hörlauten außerhalb der reichweite des HFs ließen sich nicht durchsetzen.

Aus grundsätzlich / ursprünglichen unbedingten Reflexen werden in der weiteren Abrichtung bedingte Reflexe gebildet. Diese Thematik insgesamt ist recht umfangreich und möchte vom Interessierten in entsprechender Fachliteratur nachgelesen werden. Hierzu verweise ich auf die Links und Literaturtipps.

Zu den zahlreichen unbedingten Reflexen, mit denen der Welpe bereits zur Welt kommt, werden einige gezählt, die besonders in der Hundeabrichtung maßgebliche Bedeutung erlangen, die aber durch Hörlaute nur schwerlich zu hemmen sind. Diese sind der Nahrungsreflex, der Geschlechtstrieb sowie der Abwehrreflex, auf die in der praktischen Abrichtung näher eingegangen wird.

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Erworbene Verhaltensweisen
sind bedingte Reflexe, die, im Gegensatz zu unbedingten Reflexen, erst im Laufe des Lebens erworben werden. Sie stellen eine neue und kompliziertere Form von Verhaltensweisen dar, um das Gleichgewicht zwischen Organismus und Umwelt sicherzustellen und sind das Ergebnis individuell erworbener Erfahrungen durch die verschiedenen Aufgabenstellungen bzw. Haltungsbedingungen. Das Bilden bedingter Reflexe ist in einfacher Weise ein freiwilliges Lernen.

Hunde sind unzähligen Umweltgegebenheiten ausgesetzt. Sie haben sich nicht nur an diese zu gewöhnen, sie müssen im konkreten Falle mit bestimmten Reaktionen auf diese Umweltgegebenheiten antworten. Um das zu erreichen, wird der Hund vom Menschen abgerichtet und eben diese Reaktionen in die gewünschten Bahnen geleitet. Abrichtung ist also Bildung von bedingten Reflexen unter den verschiedensten Umweltbedingungen.

Was ein Hund auf dem Ausbildungsplatz wunderbar beherrscht, auf diesem angebahnt und an bedingten Reflexen gebildet wurde, trifft auf die Welt außerhalb des bekannten und vertrauten Ausbildungsplatzes nicht mehr oder nur geringfügig zu. Was der Hund immer nur bei schönem Wetter lernte, wird ihn bei veränderten Witterungsbedingungen scheitern lassen, oder ausnahmslos am helllichten Tage mit ihm gearbeitet, versagt er in der Abenddämmerung. Ist der Hund immer ohne Abwechslung und Ablenkung trainiert worden, wird auf ihn unter Ablenkung kein Verlass sein. Eines der prägnantesten Beispiele ist die Arbeit am Figuranten (Scheintäter) im Schutzdienst: Der Hund greift den Hetzärmel an, verliert der Scheintäter den Hetzärmel, macht sich der Hund weiterhin über den Hertzärmel her, währenddessen der Scheintäter unbeachtet bleibt.

Anders als bei Hunden, die ausschließlich für Wettkämpfe ausgebildet werden und sonst im Zwinger stehen, muss der Familienhund praxisnahe ausgebildet werden. Es müssen alle benötigten Übungen zu allen möglichen Zeiten die in der Realität vorkommen, an allen Plätzen, die der HF mit dem Hund aufsuchen wird (Plätze, Wälder, Wiesen, öffentliche Verkehrsmittel, öffentliche Gebäude etc.) erarbeitet werden.

Will der HF beim Hund einen bedingten Reflex bilden, müssen gleichzeitig zwei Reizerreger auf den Organismus einwirken und zwar die unbedingten und bedingten Reizerreger, wie sie in den Abbildungen unterteilt und erläutert sind. Unbedingte Reizerreger, der Name beschreibt es, wirken unbedingt, also etwa der Leinenruck, der Druck usw. Bedingte Reizerreger dagegen wirken, auch hier beschreibt es der Name, eben nur bedingt. da es sich hierbei um Hörlaute, Sichtzeichen und Signale handelt, mit denen der Hund ohne unbedingten Reiz nichts verknüpfen kann und sich auf keine Verknüpfungen stützen. Das bedeutet, um den Hund auf Hörlaut "Sitz" (bedingter Reiz) tatsächlich sich setzen zu lassen, muss ein unbedingter Reiz (Druck auf die Kruppe) erfolgen und durch Ruck am Halsband nach oben, ein Hinlegen verhindert werden. Wird der Hund wiederholt im Zusammenfall zwischen bedingtem Reiz und unbedingten Reizen konditioniert, erstellt sich ein bedingter Reflex. In Folge wird sich der Hund auf Hörlaut "Sitz" selbständig setzen.

Bedingte Reflexe sind jedoch zeitlich begrenz und müssen regelmäßig zur Anwendung gelangen und hierbei durch unbedingte Reizerreger verstärkt werden um ein Verblassen zu verhindern.

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Regeln für die Bildung bedingter Reflexe
Die Bildung bedingter Reflexe bedarf der ständigen Einwirkung von unbedingten und bedingten Reizen. Diese zeitlich minimal versetzt, d.h. der bedingte Reiz ist zuerst anzuwenden um darauf den unbedingten Reiz folgen zu lassen.

Zuerst also Hörlaut, etwa "Sitz" - direkt danach unbedingter Reizerreger ( Druck auf die Kruppe).

Allein mit dem bedingten Reiz kann der Hund nichts anfangen. Erfolgt jedoch allein immer nur der Druck auf die Kruppe, wird die Körperhaltung des HFs eine Signalwirkung erhalten und als bedingter Reiz zum Sichtzeichen für den Hund.

Erhält der Hund den Hörlaut gegeben und erfolgt spontan hierauf der Druck auf die Kruppe, wird dies rasch verknüpft und in Folge reicht die Einwirkung des Hörlautes.

Der HF muss beachten, dass u.a. Hörlaute bedingte Reize sind, die es im Training immer wieder aufs Neue zu festigen gilt.

Die Reizerreger müssen kräftig zur Anwendung gelangen. Kräftige Reizerreger bewirken eine rasche Verknüpfung und können um so eher, also nach der Verknüpfung teilweise verzichtbar sein, müssen dann nicht ständig angewandt werden.

Ein kräftiger Druck auf die Kruppe nach dem Hörlaut "Sitz" bewirkt eine rasche Verknüpfung mit dem sich setzen des Hundes. Ein eher zaghafter Druck, ein "streicheln" gar lässt den HF noch nach Wochen an dieser Problematik arbeiten.

Gleiches gilt für das Loben! Ein kräftiges und überschwängliches Loben - fast übertrieben wirkend - wird vom Hunde deutlich besser und differenzierter erkannt und verknüpft, als ein lapidares "Brav" ohne jeden Bezug.

Ein Leinenruck etwa soll ein Ruck an der Leine sein und kein kraftloses Gezottel. Prescht der Hund vor, korrigiert der HF durch kurzes und kräftiges Rucken an der Leine so lange, bis der Hund bei Fuß läuft. In keinem Fall wird der Hund zum HF heran gezogen, damit wird nichts erreicht.! Oder doch: Der ständige Zug am Hals sorgt für die Perforation der Luft- und Speiseröhre durch das ständige Ziehen seitens des HFs aber auch seitens des Hundes!

Unbenommen des oben stehenden muss, außer beim Loben natürlich, die Kraft des Einwirkens, ob als Hörlaut oder als mechanischer Reiz dem Wesen und Charakter des Hundes angepasst sein. Brüllt der HF wie am Spieß, wird der Hund in Folge auch nur Kommandos erkennen, die gebrüllt werden. Wird ein Leinenruck gegeben, der den Hund sich überschlagen lässt, wird dieser nicht freudig sondern ängstlich und gedrungen arbeiten. Mit Abrichtung hat diese Dressur dann nichts zu tun, die Leistungen werden nie freudig erbracht, der Hund ist selten interessiert bei der Sache.

Zur Bildung bedingter Reflexe kann auch die Nachahmungsmethode herangezogen werden um eine sehr schnelle Verknüpfung zu erzielen.

Beispielsweise arbeiten zwei HF gemeinsam mit ihren Hunden, ein Hund ist bereits ausgebildet, der andere wird ausgebildet. Beide Hunde werden mit "Platz" abgelegt und die HF entfernen sich. Auf Hörlaut "Hier" werden beide Hunde herangerufen. Oder: Im Kreistraining, einer Spezifizierung der Gruppenarbeit, werden die Hunde bei Fuß bewegt und auf Hörlaut "Sitz" zum Sitzen aufgefordert. Später erfolgt kein Hörlaut mehr, da allein das "Stehen bleiben" des HFs Signalwirkung erhalten soll. Ausgebildete Hunde werden in diesem Fall mit in Ausbildung stehenden Tieren in einer gemischten Gruppe geführt. Die erfahrenen Hunde setzen sich beim Halt des HFs automatisch hin, die unerfahrenen Hunde machen es ihnen nach.

Wieder wurde viel mechanischer Reiz eingespart.

Ein weiteres Beispiel für den Nachahmungsreflex ist die Wasserarbeit. bereits in der Wasserarbeit erfahrene Hunde werden gemeinsam mit unerfahrenen Hunden ins Wasser befohlen, etwa um Apportierdienste zu leisten. (Gegenstände aus dem Wasser bergen).

Dei Scheu vor dem Wasser wird sowohl des Beutetriebes, wie auch der Nachahmung wegen, vom "wasserscheuen" Hund rasch überwunden.

Gleiches gilt für Leitern, Sprungwände, Schwebebalken, Tunnel u.v.a.m.!

Übrigens: Bedingte Reize - so stark wie nötig, so schwach wie möglich

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bedingte Reflexe höherer Ordnung
Eine Weiterführung der bedingten Reflexe stellen die der höheren Ordnung dar, von denen gesprochen wird, wenn der Hund auf mehrere bedingte Reizerreger entsprechend reagiert. D.h. wenn ein Hund sich setzt, weil er einen Hörlaut vernahm, oder weil der Hundführer stoppt, oder weil ein Sichtzeichen erfolgte. Gleiches ist für die Übung "Platz" und zahlreiche andere Übungen möglich.

Das Konditionieren bedingter Reflexe höherer Ordnung soll erst erfolgen, wenn einfache bedingte Reflexe gebildet und gefestigt wurden.

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